95 – Gründung des Klosters Ilfeld

95GRÜNDUNG DES KLOSTERS ILFELD

Es war eine Zeit in der Graf Ilger von Bielstein den engen Eingang in das Gebirge bewachte, den man später die Porta Ilfeldensis nannte. Der übellaunige Graf mordete und beraubete jeden, der ihm in den Weg kam. So zog denn auch eines Tages Graf Konrad von Beichlingen, Ottos von Northeim Sohn, diesen Weg; da brach der Ilger aus seiner Burg und erschlug den Beichlinger.
Aber kaum war dieser Mord geschehen, da erhoben sich die Kobolde und Berggeister aus ihren Klüften und Höhlen, wälzten das ganze Tal voller Felsen, trieben dann die Behre aus ihren Ufern, so dass Ilgers Besitztum in Wellen begraben wurde; alle Wege waren versperrt. Nur eine Öffnung hatte sich in einem Felsen gebildet, durch welche Ilger eben noch kriechen konnte, um auf die andere Seite des Tales zu kommen.
Da gelobete er, wenn er gerettet würde, zur Buße am Orte, wo er den Beichlinger erschlagen hatte, eine ewige Lampe – einen Ort Gottes allgewaltigen Strahelns – also ein Kloster zu gründen. Alsbald öffnete sich das Tal wieder und der Fluß trat ruhig in sein Bett und Ilger ward ein frommer Mann. Aus seiner Stiftung entstand Ilfeld, der Klosterort.

Doch wie geschah die Wahl des Ortes, auf welchem das Kloster Ilfeld, später eine namhafte Gelehrtenschule, erbaut wurde, fragt ihr euch vielleicht?
Einst erblickte die Gräfin auf dem Schlosse Ilburg mitten im Walde ein strahlend flackerndes Licht. Sie weckete ihren Mann der es auch bestaunen sollte, aber wie der kam, war das Glimmen erloschen. Dabei sah die Gräfin es zuvor eine ganze Stunde brennen. Die zweite Nacht sah sie es um dieselbe Zeit wieder, weckte ihren Gemahl abermals, der aber sah wieder nichts.
Als die Gräfin es die dritte Nacht wieder sah,Grafen nicht zu wecken, sondern sattelte stillschweigend ein Maultier, das sie zuvor mit so vielem Gelde, wie es tragen konnte beladen hatte.

Wie sie am Ort des Strahlens ankam, war das Licht ein großer, heißer Brandherd. Wie ein feuriges Mühlrad wälzte es sich von der Gräfin weg. Welch ein faszinierendes Schauspiel in der stockfinsteren Nacht, könnt ihr euchs denken?
mmer weiter und weiter rollte das feurige Rad und sie folgte ihm, bis zu einer Stelle, an der es umfiel und erlosch.
Hier ließ sie von dem mitgebrachten Gelde eine Kirche bauen. Doch wie man die Stelle, an der das Feuer einst zum Himmel schlug und später ganz in heilge Asche sich verwandelt hatte, fürs Fundament einen Graben grub, entdeckte man überdies zwei Tonnen reinstes Goldes. Dieser Hort ward zum Klosterbaue mit benutzt

(aufgeschrieben von Kiehne nach Pröhle, 1886; Bild: Altes Postkartenmotiv Ilfelds um 1900)

SAGENHAFTER TIPP: Ganz in der Nähe findet ihr die sagenhaften Orte „Gänseschnabel“ & „Nadelöhr“ – findet ihr die Geocaching-Punkte dort?)