57 – Der Köhler & der Teufel

57DER KÖHLER UND DER TEUFEL

Einst strich der Teufel auf der Suche Ärger zu stiften durch den dichten Harzwald und kam er zu einer Köhlersiedlung nah bei Allrode. Ein Köhler arbeitete gerade fleißig an seinem Meiler der am Rande einer großen Wiese stand, da sprach ein Fremder ihn an. Der Köhler blickte sich um, grinste über beide Backen und erkannte den Satan sofort. Dessen Pferdefuß stach nämlich unterm feinen Mantel hervor und hne Furcht fragte der Köhler: „Was willst du Belzebub, sag an, ich hab wenig Zeit für deine Spiele!“
Der meinte der Teufel zum Köhler, dass dieser einen beschwerlichen Beruf ausübe, der ihm sicherlich Schwielen an den Händen brächte. „Freilich“, meinte der Köhler, „Mit meiner Pranke vermag ich schon tüchtig Prügel zu verteilen.“

Jetzt lachte der Gehörnte, meinte, mit dem Köhler könne er leicht mithalten. Ja, er wollte sich mit ihm Köhler messen und würde er gewinnen, könne er leicht eine weitere Seele sein Eigen nennen.
Der Köhler ließ sich auf den Schlagabtausch ein, aber nur unter einer Bedingung: Dem Geschlagenen sollten die Augen verbunden werden, damit er sich nicht im letzten Moment vorm Schlag wegducken würde. „Gut!“, schnaufte der Teufel, „Aber ich will zuerst zuschlagen!“ Darauf ließ sich der Köhler ein, ließ sich seine Augen verbinden und bekam eine solche Ohrfeige verpasst, dass ihm gehörig das Fressbett klapperte. Er schrie vor Schmerz und musste kopfnickend eingestehen, dass der Teufel einen Mordshammer hatte.

Nun aber war er an der Reihe. Dem Teufel wurden die Augen verbunden. Dann griff der Köhler nach seinen Hammer, schwang ihn drei Mal in der Luft und schmetterte ihn dem Teufel vors Kinn. So fest, dass der drei Zähne verlor und die Hörner klirrten. Er heulte laut auf, stürzte zu Boden und war von Sinnen. Nachdem Urian zu Bewusstsein gekommen war, gab er die Wette verloren. Nie wieder hat sich der Teufel an diesem Ort den Menschen gezeigt, obschon er sie noch immer gerne neckt. Rufe ihn einmal, wenn du auf der Echowiese stehst, seine Antwort wirst du prompt zu hören bekommen.

Die Köhlerhütte stand noch lange neben einer uralten hohlen Eiche. Leider ist selbst von dieser Eiche nichts mehr als eine Erinnerung übrig.

(aufgeschrieben von Kiehne)

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