47 – Woher der Name „Benneckenstein“ kommt

Unter dem großen Rappenberg, im Tal der Rappbode, lag vor vier Jahrhunderten nur eine kleine Wiese mit einem wunderbaren Blick gen Blocksberg an der nur selten zwei Menschen aufeinandertrafen. Doch wer liebte es nicht, hier von seinem langen, gefährlichen Weg über den Harz zu rasten und den Blick in die Ferne zum höchsten Gipfel des Harzes schweifen zu lassen.
Einer alten Frau zumindest, ging es so. Mit ihrer schweren Kiepe, lief sie einmal pro Woche von Hasselfelde zum Kloster Walkenried, um dort die Erzeugnisse ihres kleinen Hofes an die Abtei zu verkaufen. Heute war sie lang genug auf den Beinen gewesen, beschloss sie, stellte ihre Kiepe zu Boden und legte sich unter einer alten Eiche zur Ruhe.
Kurz darauf aber, kam ein Jägesrmann des Weges gelaufen und meinte desgleichen, dass Zeit zum Müßiggang wäre. Unter einer dicken Eiche fand er einen Ruhestein, setzte sich oben auf, packte die Butterbemme aus und pfiff sein Lied.

Ein Blick zum Brocken, der sich gerade in dichten Wolken zu verbergen begann, verriet, dass droben des Nachts wohl die Unholde zusammen kämen. Und wie sich der Jägersmann noch über Hexen und den Urian sorgte und sich eben bekreuzigte, da rappelte unter ihm plötzlich der Boden. Wie vom Teufel überfallen, ließ er die Stulle fallen, krallte sich am Grunde fest und rief „Mutter Maria im Himmel, lass die Erde ruhen!“
Wie erstaunt war er, als Mutter Maria ihm tatsächlich Antwort gab: „Benn-eck-an-staan?“, rief sie in tadellosem Harzer Platt, warf den Jäger zu Boden und rappelte sich auf. „Bin ich ein Stein, dass du dich auf mir niederlässt?“, wiederholte sie sich zornig. Doch dem Jäger, den ansonsten Wortgewandten, ward die Rede im Halse stecken geblieben. Ungläubig sah er einer alten Kiepenfrau ins Angesicht, bemerkte seinen Fehler, bat um Verzeihung, worauf beide himmlisch zu lachen begannen.

Und weil die Geschichte, um eine solche Begegnung für alle Zeiten unvergessen bleibt und sich an diesem Flecken bald die ersten Bergleute niederließen, nennt man den Ort noch heute „Benneckenstein“!

(aufgeschrieben von Carsten Kiehne)

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