38 – Der Galgenberg zu Elbingerode

38DER GALGENBERG ZU ELBINGERODE

Am Galgenberge hieß es, soll viel Geld vergraben liegen. Doch nur im Vollmondschein und wenn man des Schatzes würdig ist und schweigsam sucht, könne man erfolgreich sein.

Vier Männer aus Elbingerode beschlossen einst, nachdem sie in einer Nacht viel Geld verspielt und versoffen hatten, sich der Reichtümer zu bemächtigen. Man war sich einig: Wenn einer den Schatz verdiente, dann waren sie es!

Während des 30jährigen Krieges war eben jenes Geldversteck von einer Magistratsperson aus Elbingerode angelegt worden, um die Stadtkasse von der anrückenden und plündernden Sodateska Walleinsteins zu schützen. Als die Gefahr gebannt war, sollte er die Kasse zurückholen, fand sie aber nicht wieder, womit man ihn zum Dieb erklärte und ihn am Galgen baumeln ließ. Das war zwar schon lange her, das Gelde aber sollte noch immer vor Ort verborgen sein.

Mit Hacke und Schippe torkelten sie zum Galgenberg und begannen zu roden, wobei sie streng darauf achteten, dass kein Wort der Vorfreude auf den Schatz und kein Wehlaut, die harte nächtliche Arbeit betreffend, ihre Münder verließ.

Bald jedoch geschah etwas Sonderbares: Ein Fremder schleppte sich auf Krücken zum Gagenberg hin, sah hinauf wo der Galgen stand und murmelte nur, sie hätten ihn wohl endlich abgehängt, wäre ohnehin schon längst vermodert gewesen und: „Sollen die Raben seine Reste fressen!“ Dabei würdigte er die Vier keines Blickes, so als wären sie gar nicht anwesend und humpelte dann langsam vorüber. „Seltsam“, dachten sich die Freunde, wobei aber niemand etwas sagte.

Kurz darauf kam nun ein zweiter Fremder durch die Totenstille gestapft und zog eine Molle hinter sich her. Darin lag ein verwester Leichnam mit dem Seil noch am Halsknocken festgezurrt. Sich vor den Schatzgräbern aufbauend, fragte er freundlich, ob er den auf den Krücken wohl noch einholen könne. Aber als sie nur schweigend dastanden und sich verwundert dreinblickten, grinste der Fremde hämisch und brach auf.
Zuletzt kam noch einer mit einem Ziegengespann zum Galgenberg geprescht und sprach die Männer mit forschem Tone an: „He, ihr da – Taglöhner und Nachtschwärmer, jebt Antwort: Eben kam aaner mit ’ner Molle lang – hole ich den wohl noch vor’m Jottesacker aan?“

Da stieg einem der Männer die Zornesröte ins Gesicht und es platzte aus ihm heraus: „In drei Teufelsnamen, bist selbst ein Halunke, fahrender Zigeuner! Was soll’n deine Fragen?“

Da gab es einen lauten Knall und der seltsame Kutscher hatte sich mitsamt seinen Böcken und der soeben gehobenen Schatztruhe im Nichts aufgelöst. Jetzt erst merkte der Mann das alles fort und verloren war und nur, weil er ein Wort sprach, wo es sich zu Schweigen ziemte.

Auf derselben Stelle soll sich übrigens auch der Glockendiebstahl ereignet haben, aber das ist eine andere Geschichte. (aufgeschrieben von Kiehne, nach Pröhle 1886)

Das sagenhaft schöne Foto stammt von Christian Schuder – vielen Dank für die Unterstützung mit dem Bildmaterial!