199 – Wen ein Bannspruch bannt

1991299 im Jahre unseres Herrn bekam der Abt von Ballenstedt ein Schreiben überreicht, darin eine Botschaft auf edlem Pergament direkt vom Papst Alexander VI. persönlich:

„Die Äbtissin Irmingard II. von Gernrode ist zu bannen, die alte Pute, da diese sich Hochwohlgeboren-fühlende Schandperson mitsamt ihrem geistlosen Kapitel, die fromme Jutta von Orden als Pröbstin von Gernrode nicht anzuerkennen gedenkt!“, mit zittriger Stimme las der Abt von Ballenstedt diese Worte. Ihm ward schwindelig geworden.

Freilich hatte er als verordneter Richter des apostolischen Stuhls dieses Gesuch des Vertreter Gottes auf Erden umzusetzen. Doch beim Gedanken, sich gegen Irmingard aufzulehnen, schwante ihm Übles! Irmingard war nicht nur die Kirchenfürstin zu Gernrode und ein reiches Biest, welches ihren Unterrock in manchem Grafenbett vergaß. Nein, sie war zudem als Hexe gefürchtet!

Es kam, wie es kommen musste: Auf den Bann reagierte sie zwar nach außen schlichtend und scheinbar Frieden suchend, doch häuften sich seit diesem Moment im Ballenstedter Kloster seltsame Vorkommnisse. Am Ende meinten der Abt und die Mönche, sie wären verhext oder verflucht worden, denn von überallher stürmten die Katastrophen auf die frommen Männer ein:
Die Quedlinburger lehnten sich auf und zahlten ihre jährlich zu entrichtenden Abgaben nicht; die nächsten Jahre musste viel Gut wegen kargen, kalten Sommern verpfändet werden und anschließend ergriffen adlige Strauchdiebe nach der Macht, vertrieben die Mönche und hausten wüst im Kloster. Herrje, was machten sie dem Umland viel Schaden.
Selbst als Fürst Georg II. um 1485 das Kloster wiederherstellte, es neu mit Gütern begabte, kam kein währendes, neues Glück ins alte Gemäuer:

„Am 28. Mai 1525, als unser Land bereits verwüstet lag, alle Felder zertreten waren, erstieg nun eine unselige Schar Bauern mit brennenden Leuchtern das Dachgebälk der Kirchtürme. Sie warfen jubelnd die Glocken hernieder, zerrissen die Orgeln und jeder nahm eine Pfeife und spielte darauf ein saures Lied vom Tode. Von überallher pfiff und klang und sang es, als ob es Grund zum Feiern geben würde. Wie Wölfe, durchjohlte das Pack die Nacht. Was sie vom Bier nicht austranken, ließen sie in den Dreck laufen. Die Bücher warf man in den Brunnen, Fenster und Türen zerschlug man und wir Mönche? Wir rannten davon, wussten wir doch um den alten Fluch der Irmingard!
Nur einer blieb beim Kloster, ein Diener des Fürsten Wolfgangs. Der rief von einem der Türme: „Irmingard – altehrwürdige Äbtissin von Gernrode – Gott erlöse dich von deinem Bann und Gott helfe auch uns!“ Und da geschah das Wunder: Plötzlich trollten sich die Bauern und ließen die Reste des Klosters verschont. Das Flehen des Mannes, löschte wohl die Glut ihrer Herzen, auf dass sie nicht mehr vermochten, unsere Gemäuer in Feuer zu legen.“

Trotzdem der Bann nun gebrochen war, wollte aber niemand mehr an diesem verwunschenen Flecken ein neues Kloster errichten. So stand das Anwesen lange leer, bis die Fürsten ihr Schloss hier errichteten.

(aufgeschrieben von Kiehne nach Dr. Hans Peper, 1913)

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WEN EIN BANNSPRUCH BANNT

1299 im Jahre unseres Herrn bekam der Abt von Ballenstedt ein Schreiben überreicht, darin eine Botschaft auf edlem Pergament direkt vom Papst Alexander VI. persönlich:
„Die Äbtissin Irmingard II. von Gernrode ist zu bannen, die alte Pute, da diese sich Hochwohlgeboren-fühlende Schandperson mitsamt ihrem geistlosen Kapitel, die fromme Jutta von Orden als Pröbstin von Gernrode nicht anzuerkennen gedenkt!“, mit zittriger Stimme las der Abt von Ballenstedt diese Worte. Ihm ward schwindelig geworden.

Freilich hatte er als verordneter Richter des apostolischen Stuhls dieses Gesuch des Vertreter Gottes auf Erden umzusetzen. Doch beim Gedanken, sich gegen Irmingard aufzulehnen, schwante ihm Übles! Irmingard war nicht nur die Kirchenfürstin zu Gernrode und ein reiches Biest, welches ihren Unterrock in manchem Grafenbett vergaß. Nein, sie war zudem als Hexe gefürchtet!

Es kam, wie es kommen musste: Auf den Bann reagierte sie zwar nach außen schlichtend und scheinbar Frieden suchend, doch häuften sich seit diesem Moment im Ballenstedter Kloster seltsame Vorkommnisse. Am Ende meinten der Abt und die Mönche, sie wären verhext oder verflucht worden, denn von überallher stürmten die Katastrophen auf die frommen Männer ein:
Die Quedlinburger lehnten sich auf und zahlten ihre jährlich zu entrichtenden Abgaben nicht; die nächsten Jahre musste viel Gut wegen kargen, kalten Sommern verpfändet werden und anschließend ergriffen adlige Strauchdiebe nach der Macht, vertrieben die Mönche und hausten wüst im Kloster. Herrje, was machten sie dem Umland viel Schaden.
Selbst als Fürst Georg II. um 1485 das Kloster wiederherstellte, es neu mit Gütern begabte, kam kein währendes, neues Glück ins alte Gemäuer:

„Am 28. Mai 1525, als unser Land bereits verwüstet lag, alle Felder zertreten waren, erstieg nun eine unselige Schar Bauern mit brennenden Leuchtern das Dachgebälk der Kirchtürme. Sie warfen jubelnd die Glocken hernieder, zerrissen die Orgeln und jeder nahm eine Pfeife und spielte darauf ein saures Lied vom Tode. Von überallher pfiff und klang und sang es, als ob es Grund zum Feiern geben würde. Wie Wölfe, durchjohlte das Pack die Nacht. Was sie vom Bier nicht austranken, ließen sie in den Dreck laufen. Die Bücher warf man in den Brunnen, Fenster und Türen zerschlug man und wir Mönche? Wir rannten davon, wussten wir doch um den alten Fluch der Irmingard!
Nur einer blieb beim Kloster, ein Diener des Fürsten Wolfgangs. Der rief von einem der Türme: „Irmingard – altehrwürdige Äbtissin von Gernrode – Gott erlöse dich von deinem Bann und Gott helfe auch uns!“ Und da geschah das Wunder: Plötzlich trollten sich die Bauern und ließen die Reste des Klosters verschont. Das Flehen des Mannes, löschte wohl die Glut ihrer Herzen, auf dass sie nicht mehr vermochten, unsere Gemäuer in Feuer zu legen.“

Trotzdem der Bann nun gebrochen war, wollte aber niemand mehr an diesem verwunschenen Flecken ein neues Kloster errichten. So stand das Anwesen lange leer, bis die Fürsten ihr Schloss hier errichteten.

(aufgeschrieben von Kiehne nach Dr. Hans Peper, 1913)