186 – Tragikkomödie im Kalten Tal

186TRAGIKKOMÖDIE IM KALTEN TAL

Ende des 2. Weltkrieges hatten Kräfte des Volkssturms in Bad Suderode einen abenteuerlichen Plan gefasst, der dem Ort zum Verhängnis hätte werden können:
Von nationalistischer Durchhaltepropaganda besessen, trat der Volkssturm vorm Rathaus am Adolf-Hitler-Platz an und jonglierte mit Militärbegriffen, dass man meinte es würde ganze Wehrmachtsbattaillone den anrückenden amerikanischen Truppen entgegengestellt werden. Tatsächlich handelte es sich aber nur um 13 Greise und 7 Halbwüchsige die den Amerikaner vorm Erreichen des Ortseingangs aufhalten und „überrr die Meerrrenge zurrrückzujagen“.

Man war sich sicher, dass die Amerikaner über den Harz von Friedrichsbrunn ins Vorland vorstoßen würden. So kam die Enge zwischen den Saalsteinen gerade recht um dort eine unüberwindliche Panzersperre zu errichten. Am Hasselrückengrund entzündete man den letzten Hucken Sprengstoff und „padong“, war in der altehrwürdigen Kaiser-Wilhelm-Straße ein tiefer Krater (Der Volkmund nennt es noch immer nach seinem Initiator: das „F-Loch“)

Am Abend des 17. Aprils war es dann endlich soweit: „Der Ami kummt von Fritzebrunn. Denen werrden wirr jehörich’n Arrsch uffrraaßen!“ Der kleine Volkssturmtrupp, zog mit Panzerfäusten bewaffnet zum Saalstein aus, um Bad Suderode „zu verteidigen“.

Der Amerikaner kam tatsächlich … aber aus der falschen Richtung, nämlich aus Ballenstedt. Mehrfach wurde in den Ort hineingehalten, da „aber nicht zurückgeschossen“ wurde, „befreiten“ die Besetzer den Ort. Und der Volkssturm? Der traute sich nicht mehr vom Saalstein zurück. Heimlich, still und leise, versenkte man die Panzerfäuste, die Uniformen, Pässe und übriges im Fischteich und schlich sich in den Ort zurück.

Wie hätten wohl aber die amerikanischen Truppen reagiert, wenn ihnen in Bad Suderode tatsächlich erbitterter Widerstand entgegen geschlagen wäre? Die mit Kriegsverwundeten und Flüchtlingen bis unters Dach belegten Hotels und Pensionen wären, wie die wunderschönen Gasthäuser Bad Suderodes, sicherlich nicht so glimpflich davongekommen. Das, was als „Heldenstück“ nationalsozialistischem Widerstand geplant war, geriet durch die Güte des Geschicks zur Farce.

(aufgeschrieben nach Dr. Bernd Schobeß & Dietrich Wilde in Kiehne: Sagen, Märchn und Geschichten um und über Bad Suderode, 2014)