180 – Der Bergmönch im Kohleschacht

Anfang des 16.ten Jahrhunderts wollten zwei Bergleute in einen Schacht bei Opperode einfahren, als sie merkten, dass sie vergessen hatten, Öl in ihre Grubenlichter einzufüllen. Weil sie aber das Geld ihrer Arbeit bitter nötig hatten, stiegen sie dennoch in den Schacht, um im Tiefdunklen ihre Arbeit zu verrichten. Mitten im Tun aber hielten sie inne. Vernahmen sie da nicht ein Geräusch?  Da, schon wieder: Das laute Pochen, das Schlurfen und Stöhnen. Irgendetwas kam direkt auf sie zu und plötzlich gewahrten sie ein helles Licht. Eine riesige Gestalt kam auf sie zugekrochen, schnaufte wild, aber blickte aus ganz gütigen Augen.

„Ich habe Mitleid mit euch!“, sagte der Riese, der einen Bergkittel und eine Mooskappe trug und unzweifelhaft der Bergmönch sein musste. Aus seinem Frosch füllte er ein seltsam goldenes Öl in die Leuchten der Opperöder Bergleute und schlug mit seiner Picke einen großen Spalt ins feste Gestein. „Verratet’s nur nicht!“, sagte der Große und die Bergmänner staunten nicht schlecht, denn im aufgebrochenen Felsen kam ein langer Erzgang zum Vorschein, ganz mit Silber und Gold bespickt. Der Bergmönch trat in die Spalte ein und lächelte breit, worauf die Männer sich fragend anblickten. Wie sie aber wieder zur Felsenwand blickten, hatte sich der Gang bereits verschlossen. Ach, hätten sie ihr Eisen doch nur rasch in die Öffnung gesteckt, der Felsenspalt wäre offengeblieben und all die Schätze ihre gewesen.

Das Gold fanden die Beiden niemals wieder, aber vom schwarzen Gold namens Kohle entdeckten sie – mit dem nie enden wollenden Öl des Bergmönchs in ihren Leuchten – genug. Als die Bergmänner aber eines Tages in Opperode in der Schenke saßen, sich tüchtig einen antranken und im Übermut von ihrem Glück des Zauberöls erzählten, versiegte es sofort. Von jenem Tage an, gab der Schacht nur noch unbrauchbares Koks.

Erst im Jahre 1584 unseres Herrn, erhielt der fürstlich-bernburgerische Münzmeister Daniel Stumpelt Privilegien in einem neuen Schacht bei Opperode „den Steinkohlen den Stank, die Wildigkeit & sonstige Unart zu nehmen“.

Was niemand weiß und der Stumpelt niemals sagte war, dass auch er einst dem Bergmönch begegnete. Von dem guten Geist hatte er ein Verfahren gelernt, die minderwertige Kohle Opperodes zu verkoken. Es genügte nun „zum Heizen der Stuben, zum Salz- und Salpetersieden sowie zum Bierbrauen, Kalk- und Ziegelbrennen“, was dem Münzmeister ordentlichen Wohlstand und damit einen seligen Lebensabend bescherte.

(aufgeschrieben von Carsten Kiehne nach Korf)