9 – Das Brockengespenst

9DEM BROCKENGESPENST AUF DER SPUR

Selbst Goethe, der als erster Tourist am 10. Dezember 1777 den Brocken bestieg, soll sich an diesem nebligen Morgen vor seinem eigenen Schatten erschrocken und diesem Phänomen den Namen „Brockengespenst“ gegeben haben.

Wie kommt es aber zu dieser sagenhaften Naturerscheinung?

„Wenn auf dem Brocken der Schatten des Beobachters auf eine Nebel- oder Wolken-Schicht fällt, wird der Schatten nicht durch eine feste Fläche abgebildet, sondern durch jeden Wassertropfen des Dunstes einzeln. Dadurch kann das Gehirn den Schatten nicht stereoskopisch sehen und überschätzt die Größe deutlich. Durch Luftbewegungen bewegt sich der Schatten, selbst wenn der Beobachter still steht. Dieses scheinbar eigene Wesen kann zudem schweben, ohne sichtbaren Kontakt zum Boden zu haben. Die anderen physikalischen Bedingungen auf dem Berg, kühle und feuchte Luft, Stille, sowie die fehlende Orientierung durch mangelnden Weitblick und fehlende Nachbarberge, verstärken den subjektiven Eindruck der scheinbaren Existenz eines Gespenstes.“ (Johann Esaias Silberschlag, 1780)

Häufig tritt dieser „Gespensterschatten“ mit einem weiteren optischen Effekt auf, Glorie genannt. Das ist ein farbiger Lichtkranz, der sich um den eigenen Schatten legt.

Und was ist die Moral von der Geschicht‘?
Wllst du einen Heiligenschein
steig‘ auf den Brocken im Morgenlicht.
Einfacher als durchs faule Rumstehen,
bekommst du den Lichtkranz wahrscheinlich nicht!

(aufgeschrieben von Kiehne; Bilder: Verschiedene alte Postkarten vom Brockengespenst)

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